Administration
 
KZ-Flüchtlinge wurde in einem Massengrab beigesetzt

Massengrab am Fliegerhorst Hörsching [1, 12, 14]

 

Im Monat Mai 1945 verstarben sehr viele ehemalig Gefangene und ehemalig KZ-Häftlinge. Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 5. Mai 1945 fuhren und gingen Massen von Ausländem auf der Salzburger Bundesstraße Richtung Osten. Zumeist waren es Juden, die am 6. Mai 1945 aus den KZ-Lagern Ebensee und Gunskirchen von den Amerikanern befreit wurden. In Hörsching wurde sie von den Amerikanern in den Kasernen so um den 10. Mai 1945 untergebracht. Die genaue Anzahl gaben die Amerikaner nie bekannt. Nach groben Schätzungen waren es 6000 bis 8000.

 

Dieser Stand verringerte sich laufend stark bis zum Abtransport der letzten anfangs Juli 1945. Durchwegs extrem abgemagert boten sie ein erschütterndes Bild des Jammers und Mitleides. Bei einem Teil brach Fleckfieber (Flecktyphus) aus. Täglich starben Pfleglinge. Die Todeskurve stieg, sodass mehrere Massengräber in einer längeren Reihe angelegt werden mußten.

 

Adolf Jarosch, der Bürgermeister von Hörsching bekam vom US Militärkommandanten den Befehl, ca. 60 ortsansässige Männer zum Schaufeln von Massengräbern zu stellen. Dies war ein ungemein schwierig zu vollziehender Befehl: Die Männer von Hörsching waren zum Teil noch in Gefangenschaft, die anderen im Beruf tätig. Mangels gesetzlicher Grundlagen konnte der Bürgermeister keine Verpflichtung aussprechen. Doch der dringende Appell und die Bitten des Bürgermeisters verhallten nicht. Die Männer waren zur Stelle, sogar einige aus Traun.


Die Massengräber befanden sich einige Meter innerhalb des südlichen Drahtzaunes der Kasernen, gegenüber des Hauses Strummer und der Baracke Chichmanoff (jetzt Kasernenstraße), parallel zum Zaun gegen Osten. Die Aushebung der Massengräber dauerte mehrere Tage.

 

 

Lage des Massengrabes am Fliegerhorst Hörsching [12]

 

 

Auf Grund der vielen verschiedensten Nationalitäten wurde eine Unterteilung in Juden und nicht Nichtjuden durchgeführt. Des jüdische Massengrab wurde zwischen den Objekten 5 und 6 angelegt. Jene der Nichtjuden direkt am südlichen Zaun (heute Hindernisbahn). Bei diesen Massengräbern wurde ein Gedenkstein gesetzt, der leider bei der später durchgeführten Exhumierung abhanden kam.

 

 

Aufnahme vom 5. Mai 1945 - Im Hintergrund jüdische Grabanlage [14]

 

 

In einem Plan der US-Verwaltung von 1951 sind die Friedhöfe noch eingezeichnet [3]

 

 

 

 

 

 

Jährliche Trauerfeierlichkeiten bis 1951 [1]

 

Alljährlich - bis 1951 - wurde am Vorabend des Allerheiligentages eine würdige katholische kirchliche Feier durch Dechant Franz Jungmair neben Gedenkstein und Massengräbern zelebriert. Ld.-Amts-Direktor Dr. Rußegger wie meine Person, ein Vertreter des Schwarzen Kreuzes, inmitten einer Bevölkerungsansammlung von Hörsching, verharrten in Gedanken an den furchtbaren Opfergang der Beerdigten. Die Ortskapelle des Musikvereines von Hörsching intonierte Trauermusik.

 

 

 

 

 

 

Exhumierung der Massengräber am Fliegerhorst Hörsching [1]

 

In der Zeit von 17. Juni bis 2. Juli 1952 kam es zur Exhumierung der Massengräber durch eine Abordnung des Ministeriums für ehemalige Kämpfer und Opfer des Krieges in Deutschland und Östereich. Die exhumierten Leichen wurden zur Bestattung in den neuen KZ-Sammelfriedhof in Ebensee gebracht (525 KZ-Opfer die in den Orten Bad Goisern, St. Wolfgang, Bad Ischl, St. Konrad, Aurachkirchen, Steyr, Linz, St. Valentin und Schönau nach ihrer Befreiung verstarben und dort beerdigt wurden, exhumierte man ebenfalls und bestattete sie endgültig in der neuen Gedenkstätte).

 

In einem offiziellen Bericht des Memorial Ebensee wird von 2 Tranchen geschrieben. Einmal 171 Leichen und ein zweites Mal 302 Leichen. Vermutlich dürfte dies die Anteile des a) jüdischen Friedhofes und b) des nichtjüdischen Friedhofes sein. In Summe wurden 473 Leichen am Fliegerhorst Hörsching exhumiert und nach Ebensee überführt.

 

Quellewww.memorial-ebensee.at

 

 

 

 

 

Die Einweihung  KZ-Friedhof in Ebensee erfolgte am 3. November 1952

 

Die BH Gmunden berichtet an die OÖ. Landesregierung am 4. 11. 1952:


(...) Sturm und Regen entfalteten ihre äußersten Kräfte, als die Autos am 3.11.1952, 15.00 Uhr, zum Friedhof heranrollten, denen die Geistlichkeit in kirchlichen Gewändern und zwar der katholische Pfarrer Arthofer aus Kronstorf mit Pfarrer Frühmann aus Ebensee, der evangelische Pfarrer Dopplinger aus Gmunden und Rabbiner Öhler sowie Prokantor Roth der israelitischen Kultusgemeinde, weiters Ministerialrat Berger-Waldenegg des BM für Inneres, Landesamtsdirektor Dr. Rußegger, Bezirkshauptmann HR Hodei, ORR DDr. Siegmar Rehm mit Wirkl. Amtsrat Löw des Amtes der OÖ. Landesregierung, Abteilung Wahlen und Kultus, Wirkl. Amtsrat Rauch des Amtes der OÖ. Landesregierung, Abteilung Opferinteressen, die Architekten Foschum und Nobel der OÖ. Landesbaudirektion, Oberst Zuber des Schwarzen Kreuzes, NR Mittendorfer, Bgm. Neuhauser der Gemeinde Ebensee, die Vertretung Italiens, geführt von Generalkonsul Volpe, Frankreichs, Polens, Gesandter und bevollmächtigter Minister a. D. Hornbostel, die ÖVP Kameradschaft, Präsident Schwager der israelitischen Kultusgemeinde, Ing. Wiesenthal und andere entstiegen.

 

Es erwies sich als Unmöglichkeit, das volle vorgesehene Programm der Weihefeier zu entfalten, denn der Weststurm, der immer in neuen Stößen hervorbrach, zerriss die Feierworte und die Wassermassen stürzten unaufhörlich ein. Und dennoch empfand jeder, dass den Toten die Weihe und Ehrung nicht hätte würdiger geboten werden können, als unter dem Heulen des Sturmes, das sich mit dem fortgesetzten Peitschengeknall der schwarzen Fahnen mischte, und unter der strömenden Unbill des Wetters, die wohl das geringste Leid jener Männer dargestellt haben mag, welche einst in diesem Konzentrationslager lebten und starben. (... )

 

 

Die Toten aus dem ehemaligen Fliegerhorstfriedhof Hörsching ruhen nun in Ebensee