Administration
 
Arbeiterlager

Unterkunft für die Erbauer des Fliegerhorst Hörsching [1]

 

Unmittelbar nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich am 12.03.1938 wurde durch den sogenannten Reichsfiskus (Luftfahrt) mit den Grundstücksbesitzern Verhandlungen über eine Grundstückablöse durchgeführt. Das durch den Luftfiskus so angeschaffte „Baugebiet des Fliegerhorstes“  umfasste eine Gesamtfläche von über 450.000m2.

 

 

Das fertiggestellte Lager Südansicht [09]

 

 

An der NW-Seite war die Errichtung eines Lagers für Bauarbeiter geplant.  So entstand bereits ab 08.05.1938 auf den ehemaligen Gründen der Familien Kirchmayr, Kempl und Dr. Goldberger aus Hörsching eine eingezäunte Barackensiedlung mit 44.800 m2.

 

18 Wohnbaracken im Ausmaß von je ca. 30 x 10 Metern sowie eine Wohnbaracke im Ausmaß von 20x10m wurde als Unterkunft erbaut. Sie waren aus Holz gezimmert und mit Dächern aus Teerpappe. Zusätzlich gab es eine Großküche, einen Speisesaal mit 34 x 12,5 Meter, eine Kantine, sowie Toiletten, Latrinen und Waschräume.

 

 

 

Das Arbeitslager Nordansicht [09]

 

 

Die ursprünglich deutschen 1000 Arbeiter, die für den Fliegerhorst Bau geplant wurden, waren in diesen Baracken untergebracht. Nachdem die Arbeiterschaft bereits Ende 1938 mit Mitgliedern der DAF verstärkt wurde, wurde das Lager in die Verwaltung derselben übergeben. Dies betraf allerdings lediglich die personellen Entscheidungen. Die Entscheidungen des Arbeitseinsatzes lagen ausschließlich bei der Bauleitung Hörsching.

 

Ab Dezember 1939 wurden in immer stärkerem Ausmaß ausländische Zwangsarbeiter und auch bereits Kriegsgefangene für den Bau des Fliegerhorstes eingesetzt und im Barackenlager untergebracht. In den Jahren 1940 wurden französische Kriegsgefangen als Arbeitssklaven eingesetzt. Diese wurden im Frühjahr mit 800 polnischen Kriegsgefangenen und im Spätsommer 1941 mit russischen Kriegsgefangenen verstärkt. Im Laufe des Krieges bis zum Ende im Mai 1945 gingen zehntausende Zwangsarbeiter durch dieses Arbeitslager. Nach Abzug der deutschen Soldaten verließen die noch inhaftierten Zwangsarbeiter zumeist auf eigene Faust das Lager.

 

 

 

Ein nachgezeichneter Plan [09]

 

 

Am 04.05.1945 wurde das KZ GUNSKIRCHEN  (Außenlager von Mauthausen) durch die 71st Infantry Division der US-Army befreit. Ein Großteil der dort inhaftierten ungarischen Juden wurde in das fast leere Arbeitslager Hörsching überstellt, wo diese ärztlich notversorgt wurden.

 

Wegen Ausbruch von Fleckfieber wurde vom Gemeindearzt Dr. Hans Recheis (Vater der Hörschinger Schriftstellerin Käthe Recheis, geb. am 11. März 1928 - sie schrieb darüber auch in ihrem Buch „Das Schattennetz“ bzw. beschrieb diese Zeit im Buch „Lena - unser Dorf und der Krieg“) - ein Notlazarett eingerichtet. Bei der Betreuung der Kranken wurden auch Dr. Recheis und viele seiner Helferinnen mit Fleckfieber angesteckt, dem Dr. Recheis am 09.06. 1945 erlag.

 

Nachdem alle ehemaligen Gefangenen aus dem Lager Hörsching abgezogen waren, wurde es als Durchgangslager für Flüchtlinge aus dem Osten und Südosten benützt. Sie verloren ihre Heimat infolge des Krieges und Zusammenbruch des Deutschen Reiches. Sie stammten vorwiegend aus Südmähren, Preßburg und Umgebung, Jugoslawien (zumeist aus der Batschka, Groß Betschkerek, Rudolfsgrad, Esseg, Djakovo, Vinkovce und Vukovar), Galizien und Oberschlesien.

 

 

 

Antreten der Arbeiter in Lager Hörsching [09]

 

 

Im Gesamten bewohnten 2.200 Personen die 18 Unterkunftsbaracken, welche für ursprünglich 1.000 Mann erbaut wurden. Anhand dieser Zahlen kann man die Überbelegung erahnen. Für die Kinder der Neuankömmlinge wurde im Küchentrakt eine eigene Schule mit eigenen Lehrern installiert.

 

Von 08.1945 bis 09.1945 wurde das Lager als „DP-Siedlung 60 Hörsching“ (displaced persons) geführt. Die Leitung hatte ein Leutnant der USAAF  aus dem Fliegerhorst. Das Lager wurde im Oktober 1945 vom Amt der OÖ. Landesregierung übernommen. Das Lager wurde in „Wohnsiedlung 60“ umbenannt. Zehntausende, der in der Wohnsiedlung 60 Untergebrachten, wanderten weiter in die Bundesrepublik Deutschland, aber auch in die USA und nach Kanada. Viele blieben in Hörsching und zogen in eine Wohnung bzw. errichteten ein Haus. Einige leben heute noch in Hörsching.

 

Im August 1952 wurde in der Grüninsel des Lagerhofes ein Gedenkstein mit der Inschrift: „Dem Gedenken der toten Heimatvertriebenen in aller Welt“ errichtet. Beschädigte und zerfallene Baracken wurden nicht mehr instandgesetzt. In den 60er-Jahren wurden durch die Fa. LAWOG neue moderne Wohnbauten errichtet. In den letzten Jahren vor dem Abriss waren 2 noch bestehende Lagergebäude im Privatbesitz und als Wohnungen vermietet.

 

 

 

Ansicht von Oben - im Wandel der Zeit [12]

 

 

Im Herbst 1997 kauft schlussendlich die Marktgemeinde Hörsching die letzten verbliebenen Baracken. Im Februar 1998 wurden die letzten Überreste des ehemaligen Arbeitslagers Hörsching abgetragen. Am 04. 11.2005 wird ein Gedenkstein zum Gedenken an die Lagerbewohner bzw. Heimatvertriebenen am ehemaligen Standort errichtet.

 

 

 

 

Bildergalerie [09]

 

Zur Verfügung gestellt von Arch. Dipl. Ing. Hans Aumayr aus Hörsching.


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